Unser Leitbild und Aufgaben

Unser Leitbild

Die Forschung an der Universität Zürich (UZH) gehört heute in vielen Life-Science Bereichen zur weltweiten Spitze. Seit jeher ist die biomedizinische Forschung mit Tierversuchen verbunden. Obwohl die Entwicklung neuer Methoden zahlreiche Tierversuche ersetzen konnte, ist in vielen wichtigen Bereichen ein Ersatz bisher nicht absehbar, insbesondere in Forschungsbereichen, in denen komplexe Interaktionen im Gesamtorganismus untersucht werden.

Die UZH ist sich bewusst, dass Tierversuche bei weiten Teilen der Bevölkerung nur mit Vorbehalten akzeptiert werden. Sie hat sich daher verpflichtet, die Ethischen Grundsätze und Richtlinien für Tierversuche (PDF, 157 KB) der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften und der Akademie der Naturwissenschaften rigoros umzusetzen. Die UZH unterstützt zudem die Ziele der Basler Deklaration. Versuchstierhaltungen und wissenschaftliche Tierversuche an der UZH müssen Vorbildcharakter haben und müssen den gesetzlichen Bestimmungen wie auch internen Vorgaben genügen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Implementierung der 3R, also des Ersatzes von Tierversuchen durch Alternativmethoden ("replace“) wann immer möglich und sinnvoll, der Optimierung der Anzahl der im Tierversuch eingesetzten Tiere ("reduce") sowie der kontinuierlichen Verbesserungen der Versuchs- und Haltungsbedingungen ("refine").

Zusammengefasst soll durch vorbildliche Tierhaltung, sachgerechte Ausbildung der beteiligten Personen, sorgfältige Versuchsplanung und Nutzung aller Möglichkeiten zur Leidensverminderung der Tiere, dem Tierwohl und den 3Rs Rechnung getragen werden. Die Abteilung Tierwohl und 3R unterstützt die Universität Zürich bei der Verfolgung dieses Ziels durch Beratung, Ausbildung und Kontrollen. Sie ist dem Prorektorat Forschung unterstellt.

Beratung und Unterstützung

Die Abteilung Tierwohl und 3R

  • ist Ansprechpartner für alle an Tierversuchen beteiligen Personen
  • berät Versuchsleitende bei der Planung von Versuchen, insbesondere bezüglich Leidensverminderung bei Versuchstieren, biometrischer Planung und Methoden zur Reduktion oder dem Ersatz von Tieren im Versuch
  • regt Verbesserungen im Bereich der Tierhaltung und der Versuchsdurchführung an
  • unterstützt Versuchsleitende bei der Erstellung von Überwachungsprotokollen und der Definition von Abbruchkriterien (humane endpoints)
  • hilft den Forschenden bei der Verfassung von Bewilligungsgesuchen und Berichten zuhänden der Bewilligungsbehörde
  • vermittelt Kontakte zwischen Forschergruppen, die ähnliche Versuchsanordnungen benutzen und zu externen Experten/Expertinnen
  • berät Personen, die Tierversuche durchführen bezüglich Aus- und Weiterbildung und verweist sie auf bestehende Kurs- und Praktikumsangebote
  • organisiert eigene Lehr- und Weiterbildungsangebote und beteiligt sich an Aus- und Weiterbildungskursen des Instituts für Labortierkunde und anderen Institutionen
  • unterstützt Projektleitende bei der Information über die Versuche gegenüber UZH Angehörigen als auch Aussenstehenden (z.B. Presse)
  • unterstützt das Prorektorat Forschung bei Planungsaufgaben im Bereich Tierversuche / Tierhaltung und 3Rs
  • steht dem Kantonalen Veterinäramt und der Kantonalen Tierversuchskommission als Kontakt zur Verfügung
  • kann Vorstösse bei Behörden und Fachorganisationen machen (z.B. Anpassung von Richtlinien)

Kontrolltätigkeit

Die Abteilung Tierwohl und 3R (Tierschutzbeauftragte und 3R Koodinatorin)

  • führt interne Kontrollen der Tierhaltung und der Tierversuche ("post-approval Monitoring") durch und überprüft stichprobenweise das Einhalten der Tierschutzgesetzgebung und der Tierversuchsbewilligungen inklusive der korrekten Dokumentation von Eingriffen und Beobachtungen (gibt keine Informationen über die Details der Kontrolltätigkeit nach aussen weiter)
  • begleitet die Mitglieder des Veterinäramts Zürich oder der Tierversuchskommission bei Inspektionen von UZH Tierhaltungen oder Tierversuchen, wenn es die Hygienevorschriften erlauben
  • wird von der Behörde über Mängel in Tierhaltungen oder bei der Durchführung von Versuchen informiert
  • besitzt uneingeschränktes Zutritts- und Akteneinsichtsrecht, wobei sie das Amtsgeheimnis wahrt und Hygienevorschriften einhält
  • regt Verbesserungen im Bereich der Tierhaltung und der Versuchsdurchführung an
  • ist gegenüber den Forschenden weisungsbefugt
  • informiert bei fortbestehenden Mängeln oder Uneinigkeit die Institutsleitung, die Dekane bzw. das Prorektorat Forschung
  • vermittelt bei Meinungsverschiedenheiten bezüglich Tierschutz und/oder Tierwohl zwischen Parteien, die an Tierversuchen beteiligt sind

Vorgehen bei Mängeln

Bei vermuteten oder erwiesenen Mängeln oder Verstössen gegen gesetzliche Vorgaben, die UZH Minimal Standards oder andere UZH-interne Vorschriften gehen die Tierschutzbeauftragten folgendermassen vor:

  • Sie informieren umgehend die fehlbaren Personen und den zuständigen Versuchsleiter sowie Bereichsleiter. Mit der versuchsleitenden und/oder bereichsleitenden Person werden die Massnahmen zur Behebung der Mängel besprochen. Bei tierschutzrelevanten Mängeln kann auch die Institutsleitung, die Dekanin bzw. der Dekan der entsprechenden Fakultät sowie der Prorektor/in Forschung informiert werden.
  • Die Leiterin der Abteilung Tierwohl und 3R ist weisungsbefugt.
  • Die konkrete Vorgehensweise kann fallbedingt zusammen mit den Dekanen/Prorektor Forschung und ggf. Vertretern des LASC bestimmt werden.
  • Bis zur Findung einer gütlichen Lösung können die Tierschutzbeauftragten die Abgabe von Versuchstieren für den beanstandeten Versuch verbieten, einen Versuchsunterbruch anordnen oder andere Weisungen aussprechen.
  • Wird mit den Versuchsleitenden keine Einigung erzielt oder werden vereinbarte Massnahmen nicht durchgeführt bzw. gesetzte Fristen nicht eingehalten, informieren die Tierschutzbeauftragten die Universitätsleitung. Die UL entscheidet - nach Anhörung der Versuchsleiter (und/oder Bereichsleiter) - über das weitere Vorgehen und informieren die Versuchsleiter, den/die Bewilligungsinhaber/in, die Dekane sowie die Tierschutzbeauftragten darüber.
  • Erfüllt der Versuchsleiter/die Versuchsleiterin die angeordneten Massnahmen innerhalb der gesetzten Frist nicht, oder handelt es sich um einen Verstoss gegen die Tierschutzgesetzgebung, können die Tierschutzbeauftragten den Rechtsdienst der Universität einschalten. Diese können gemäss §9 des Kantonalen Tierschutzgesetzes Meldung an das Kantonale Veterinäramt erstatten.